Grundlagen der Kunststoffbearbeitung

Für den Modellbauer sind Kunststoffe (umgangssprachlich auch Plastik genannt) eine sehr gute Basis, um eigene Modelle und Projekte umzusetzen. Der am häufigsten verwendete Kunststoff im Modellbau ist dabei das Polystyrol - die Ausgangsbasis für unsere Produkte. Dieses Material ist für den Einstieg in den Modellbau sehr gut geeignet, da es sich auch von ungeübten Modellbauern hervorragend bearbeiten lässt.
Übrigens: Polystyrol ist sehr vielseitig und findet zum Beispiel auch als Lebensmittelverpackung oder Dämmmaterial für Gebäude Verwendung.

Bearbeiten

WerkzeugDie Bearbeitung von Polystyrol ist einfach und mit handelsüblichen Werkzeugen machbar. Diese können je nach Materialstärke eine Schere, ein Rollenschneidegerät, eine Laubsäge oder ein Teppichmesser (Cutter) sein. Bei einem Cutter ist darauf zu achten, dass die schneidende Spitze/Klinge immer scharf ist! Das erspart Kraft und ergibt einen sauberen Schnitt. Es sollte grundsätzlich an einem Stahllineal entlang geschnitten werden, um gerade Schnitte zu gewährleisten. Bei einem Schnitt an einem Kunststofflineal schneidet man jedes Mal auch etwas von diesem Lineal mit weg und wundert sich später darüber, dass die Schnitte einen leichten Bogen aufweisen...
Als sinnvoll hat sich auch eine Schneidematte erwiesen. Sie ist ein unentbehrliches Hilfsmittel, wenn man häufig mit Cuttern und Skalpellen arbeitet. Sie schützt einerseits die Tischoberfläche und erhält andererseits die Schärfe der Cutter-Klingen.

Um dicke Polystyrolplatten ab 2,0 mm Stärke mit einem Cutters zu bearbeitet, ritzt man sie mehrfach entlang eines Stahllineals an und bricht sie anschließend an einer Tischkante an diesem Schnitt ab. Die entlang des Schnittes entstandene Wulst muss anschließend mit einer Feile oder mit dem Cutter, der vorsichtig auf der Platte quer zum Schnitt entlang geführt wird, entgratet werden.

Prinzipiell sollte bei der Bearbeitung von Polystyrol daran gedacht werden, dass es sich um ein sogenanntes Thermoplast handelt. Das bedeutet, dass es sich unter Wärme, die grundsätzlich immer bei mechanischer Bearbeitung entsteht, verformt. Es wird dann weich und ist nicht mehr formstabil, bis es sich wieder abgekühlt hat. Am einfachsten kann man diesen Effekt hervorrufen, indem man einen Bohrer mit hoher Drehzahl langsam in das Material bewegt. Um das entstehende Bohrloch und am Bohrer selbst bildet sich eine Wulst, die nichts anderes als geschmolzenes und wieder abgekühltes Polystyrol ist.
In diesem Fall hilft es, wenn man mit geringer Drehzahl bohrt, stets einen scharfen Bohrer verwendet und des Öfteren absetzt um Material und Bohrer Abkühlung zu verschaffen.

Verkleben

Verklebt wird Polystyrol mit lösungsmittelhaltigen Klebstoffen. Diese lösen das Material an und „verschmelzen“ so zwei Werkstücke miteinander. Klebstoffe für diesen Zweck sind zum Beispiel UHU plast flüssig, UHU plast spezial oder Revell Contacta Professional.
Sollen sehr kleine Bauteile verklebt werden, ist es sinnvoll, wenn man einen Tropfen Klebstoff auf ein Stück Rest-Kunststoff gibt und dort das zu verklebende Bauteil nur ganz wenig eintupft. Alternativ kann man das Bauteil nach dem Auftrag des Klebstoffes kurz auf ein Zellstofftaschentuch tupfen, damit möglichst wenig Klebstoff haften bleibt. So vermeidet man unschöne Klebstoffspuren an Modellen.

Lackieren

SchleifmittelUm das Haftverhalten von Lacken deutlich zu verbessern, sollte Polystyrol angeschliffen werden. Das Anschleifen kann man mit 600er Schleifpapier unter leichtem Druck und mit gleichmäßigen Kreisbewegungen durchführen. Soll das Modell später mit einem Hochglanzlack überzogen werden, sollte es mehrfach mit Schleifpapier immer feiner werdender Körnung angeschliffen werden. Der letzte Arbeitsgang kann dann zum Beispiel mit 1000er Schleifpapier getätigt werden.
Um die Staubbelastung beim Schleifen zu minimieren, kann man einige Tropfen Wasser auf das Werkstück geben. Dann sollte jedoch mit Nassschleifpapier gearbeitet werden.
Kleine Bauteile oder unzugängliche Ecken lassen sich mit einem Glashaarradierer sehr gut bearbeiten.
Unmittelbar vor dem Lackieren muss das Werkstück unter Zugabe von etwas Spülmittel (z.B. Pril oder Fit) unter lauwarmem Wasser gereinigt und anschließend mit klarem Wasser abgespült und mit einem fusselfreien Tuch abgetrocknet werden. Dieser Vorgang entfernt nicht nur die Trennmittel aus der Fertigung vom Polystyrol und eventuell vorhandene Schleifpartikel aus der vorherigen Bearbeitung durch den Modellbauer, sondern auch die Fettschicht, die durch das Berühren mit den Händen anhaften bleibt.

LackiermittelAuf Polystyrol kann man verschiedenste Lackierungen mit den üblichen Arbeitsgeräten auftragen: Sprühdose, Pinsel, Airbrush. Ohne auf die einzelnen Verfahren weiter einzugehen ist es ratsam wasserverdünnbare Acrylfarben zu verwenden, da die Reinigung der Arbeitsgeräte nicht mit Lösungsmitteln erfolgen muss und etwaige Gesundheits- und Umweltgefährdungen minimiert werden. Wasserverdünnbare Acrylfarben liefern zum Beispiel Revell (Aqua Color-Serie) und Oesling Modellbau.
Es sollte unbedingt grundiert werden! Auch wenn dieser Arbeitsschritt im ersten Moment überflüssig erscheint, zeigt sich der Vorteil sehr schnell: Nach dem Grundieren erkennt man meist Fehler, die beim Schleifen oder bei der Montage entstanden sind und somit nicht mit der ggf. teuren Endlackierung erneut ausgebessert werden müssen. Weiterhin hat man große Probleme, wenn man verschiedene Kunststoffe in einem Modell verarbeitet: Grundiert man nicht, werden die Kunststoffe unterschiedliche Farbtönungen nach der Endlackierung aufweisen.
Übrigens: Wenn das Modell mit einem hellem Endlack lackiert werden soll, muss auch die Grundierung hell sein. Das erhöht die Farbintensität des Endlacks.
Zum Schluss ist ein Überzug mit Klarlack sinnvoll, vor allem dann, wenn Nassschiebebilder (Decals) aufgebracht worden sind.

Alle Angaben ohne Gewähr.

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